Geldanlage in Deutschland

Aktien und Geldanlage sind in Deutschland Tabuthemen. Selbst im eigenen Umfeld wird wenig bis gar nicht darüber gesprochen. Die Folge ist häufig, dass frei verfügbare Gelder nicht sinnvoll angelegt werden. Woran liegt das?

Ein naheliegender Grund ist Unwissenheit. Ausschlaggebend dafür ist eine fehlende Finanzbildung. Allerdings ist es auch schwierig, sich dieses Wissen privat anzueignen. Dafür braucht es viel Zeit und ein grundsätzliches Interesse für diese Themen. Ein weiterer Grund ist das große Sicherheitsbedürfnis in Deutschland. Viele Deutsche legen ihr Geld lieber auf das Tagesgeldkonto und nehmen durch die Inflation einen schleichenden Wertverlust in Kauf. Das tun sie, um sich nicht, den je nach Anlagestrategie, zum Teil starken Schwankungen am Aktienmarkt auszusetzen.

Doch beim Thema Schwankungen sollte mehr Aufklärung stattfinden. Das Handelsblatt1 schrieb dazu in einem Artikel vom 15.08.2019: „Anlegern, die ihr Geld erst in fünf oder besser noch zehn oder zwanzig Jahren benötigen, können Schwächephasen an der Börse nämlich egal sein“. Warum denn das? „Schwankungen gehören zu Börsen dazu. Selbst starke Rücksetzer holt der Markt in der Regel in ein paar Jahren wieder auf. Wer zum Beispiel kurz vor Ausbruch der Finanzkrise noch Anfang Oktober 2007 in den S&P 500 investierte und bis Februar 2009 mehr als die Hälfte seines Vermögens verlor, lag Anfang Oktober 2012, also sechs Jahre nach dem Kauf wieder acht Prozent im Plus. Seither ist der S&P 500 um weitere 98 Prozent gestiegen“.

Insgesamt gibt es in Deutschland, was die Aktionärsquote betrifft, einen deutlichen Verbesserungsbedarf. Laut dem Deutschen Aktieninstitut (DAI)2 besaßen im vergangenen Jahr 9,65 Millionen Menschen über 14 Jahren direkt oder indirekt Aktien. Das sind lediglich 15,2 Prozent oder knapp jeder siebte Bundesbürger. In anderen Ländern wie Schweden, Großbritannien oder den USA ist der Anteil der Aktionäre an der Bevölkerung etwa doppelt so groß3. Das ist schade, da viele Menschen damit eine echte Chance vergeben, sich ein Vermögen aufzubauen. Denn mit Blick in die Vergangenheit ist klar, dass der Vermögensaufbau mit Aktien die rentabelste Geldanlage ist, so Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut4.

Was haben wir gelernt? Die Anlagedauer ist entscheidend. Wer einen Zeithorizont von zehn oder besser fünfzehn bis zwanzig Jahren hat, kann mit Aktien kaum ein Minus machen.

Aber: Jeder Anleger sollte für sich herausfinden, mit welchen Schwankungen er sich noch wohlfühlt.

Gut zu wissen: Der Schlüssel einer erfolgreichen Geldanlage liegt bei den Kosten. Langfristig zahlt es sich für den Anleger aus, leistungsstarke, aber dennoch kostengünstige Produkte am Aktienmarkt zu erwerben.

 

Quellen:

1Handelsblatt Artikel: https://www.handelsblatt.com/finanzen/anlagestrategie/trends/boerse-wie-anleger-von-fallenden-aktienkursen-profitieren-koennen/24904850.html?ticket=ST-4579371-w1W03ZCDABrWBMYIWVPG-ap4 

2Statistik DAI: https://www.dai.de/files/dai_usercontent/dokumente/Statistiken/Deutsches%20Aktieninstitut_Aktionaerszahlen%202019.pdf

3Orange by Handelsblatt Artikel: https://orange.handelsblatt.com/artikel/62761

4Orange by Handelsblatt Artikel: https://orange.handelsblatt.com/artikel/62761