Geldanlage ist einfach, aber nicht leicht

In diesem Blogbeitrag tauchen wir in die Psyche des Anlegers ein und schauen uns an, warum Anleger häufig falsche Entscheidungen bei der Geldanlage treffen, die sie nachweislich langfristig ein Vermögen kosten.

Wenn es Dir so geht wie den meisten Anlegern, dann kannst Du die einfachen Grundlagen für erfolgreiche Geldanlage zwar nachvollziehen, aber Du hältst sie nicht immer ein.

Warum dies so ist wird klar, wenn wir uns die drei Einflussebenen für unsere finanziellen Entscheidungen näher anschauen. Diese sind unser Wissen in Finanzfragen, unsere Glaubenssätze und unser Verhalten. Während unser Finanzwissen und unsere Glaubenssätze uns mehr oder weniger bewusst sind, liegen die Verhaltensmuster auf der Ebene des Unterbewusstseins.

Doch von vorne: Die in den Blogbeiträgen „Der Renditevorteil von Aktien“ und „Die entscheidenden Faktoren erfolgreicher Geldanlage“ genannten Zahlenbeispiele für eine Geldanlage in Aktien sind objektiv nachprüfbar. Die Überlegenheit von Aktien im Bereich der langfristigen Geldanlage ist unbestritten. Dass die genannten Grundlagen wie Streuung und Kosteneffizienz einen positiven Beitrag leisten, ist wissenschaftlich belegt. Wir bewegen uns hier auf der Ebene des objektiv „richtigen“ Finanzwissens.

Wenn wir aber in einem Elternhaus aufgewachsen sind, in dem Aktien als „Teufelszeug“ galten und nur eine Investition in „Betongold“ als langfristig sicher erachtet wurde, dann hat sich das bei uns tief eingeprägt. So tief, dass wir Aktien – wenn überhaupt – nur zum Zocken geeignet halten. Solche falschen Glaubenssätze sind sehr schwer zu durchbrechen. Man muss sich schon ganz bewusst von seinen Scheuklappen befreien und sich durch Beschäftigung mit dem Faktenwissen eine vorurteilsfreie Meinung bilden.

Aber selbst, wenn Du den falschen Glauben durch objektives Wissen ersetzt hast, wird Dir die Geldanlage nicht unbedingt leichter fallen. Denn jetzt kommen die unterbewussten Verhaltensaspekte ins Spiel. Steigen wir dazu mal ein wenig in unseren Kopf ein. Die verhaltenswissenschaftliche Forschung hat gezeigt, dass in unserem Gehirn zwei Systeme parallel arbeiten (1). Das eine arbeitet schnell und automatisch und ist unter anderem für unsere Emotionen zuständig. Das andere funktioniert langsamer, steuert dafür aber das bei, was wir allgemein als Verstand bezeichnen.

Stell Dir nun bitte folgendes Bild vor: Auf dem Rücken eines Elefanten sitzt ein Reiter. Der Reiter und der Elefant symbolisieren die beiden Systeme des menschlichen Gehirns. Unsere Emotionen sind der Elefant und unser Verstand ist der Reiter.

Der Reiter hält die Zügel und scheint das Tier zu führen. Die Kontrolle des Reiters über den Elefanten ist jedoch äußerst bescheiden, da der Reiter im Kräftevergleich mit dem Elefanten eindeutig den Kürzeren zieht. Jedes Mal, wenn der sechs Tonnen schwere Elefant und der Reiter sich uneins über die Richtung sind, wird der Reiter verlieren. Er ist chancenlos.

In unserer eigenen Erfahrung ist uns allen die Übermacht des Elefanten geläufig. Sehr oft überwindet unser innerer Elefant seinen Reiter und unsere Gefühle und Instinkte übernehmen die Kontrolle über unseren Verstand. Die guten Vorsätze zum Neujahr, welche bereits im März wieder über Bord geworfen werden, sind nur ein Beispiel dafür.

Wenden wir das Bild nun auf die Geldanlage an. Unser Reiter mag zwar das einfache Rezept für erfolgreiche Geldanlage als richtig erkennen. Aber er ist zu schwach, um den Elefanten dauerhaft gegen seinen Willen auf dem richtigen Weg zu halten. Der Hunger des Elefanten nach unmittelbarer Belohnung – also Gier nach Rendite – beziehungsweise sein Fluchtinstinkt bei Gefahr - also Angst vor Verlusten – überwiegen die Kraft und den rationalen Willen des Reiters.

Durch Angst und Gier – sehr oft sogar im Wechsel - liegen wir mit der Rendite unserer Geldanlage (Anleger-Rendite) in der Regel unter der erzielbaren Marktrendite (Anlage-Rendite). Diese sogenannte Verhaltenslücke wurde durch zahlreiche Langfrist-Studien bestätigt und kostet uns ein Vermögen.

(1) Unsere Buchempfehlung zu diesem Thema: Daniel Kahnemann: Schnelles Denken, Langsames Denken (ISBN: 978-3328100348)

 

Konkret an einem Rechenbeispiel ausgedrückt: Eine Anlage von EUR 100.000 über 30 Jahre entwickelt sich bei einer jährlichen Anlagerendite von 6 % zu rund EUR 574.000. Ziehen wir hiervon 3 % pro Jahr ab (Verhaltenslücke), so haben wir am Ende lediglich EUR 243.000. Das macht also einen Vermögensunterschied von über EUR 330.000 aus.

3 % Renditeunterschied im Jahr entscheiden über lange Anlagezeiträume über unseren Wohlstand.

Zum Glück gibt es Wege, die Verhaltenslücke zu schließen. Im nächsten Blogbeitrag zeige ich Dir, wie Du Reiter und Elefant gemeinsam auf den Weg bringst. Und wichtiger noch, wie Du es schaffst, dass die beiden auf dem richtigen Weg bleiben.