Unser erstes Interview auf unserer Website führten wir mit Tim Grupp vom VfR Aalen.

Zukünftig folgen regelmäßig weitere Interviews mit Fußballprofis, Sportfunktionären und Persönlichkeiten, die dem Profisport verbunden sind.  

Damit geben wir Dir Einblicke in die Gedankenwelt unserer Interviewpartner und behandeln auch Themen außerhalb der Sportwelt.

FERDINAND HERFELDT: Hallo Tim, du hast vor 5 Jahren deinen ersten Profivertrag beim Karlsruher SC unterschrieben. Was ist deiner Meinung nach entscheidend dafür, als Spieler im Profifußball den Durchbruch zu schaffen?

TIM GRUPP: Es gehören viele Faktoren dazu, die dafür entscheidend sind, sich im Profifußball durchzusetzen. Ein gewisser Anteil an Talent ist dafür natürlich unerlässlich, aber es gehört auch eine ordentliche Portion Glück dazu, zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort zu sein und seine Leistung dann auch abzurufen. Außerdem braucht man einen langen Atem, einen starken Glauben an sich selbst, ein gutes Durchhaltevermögen, Konstanz in der Leistung und natürlich so wenig Verletzungen wie möglich.

FERDINAND HERFELDT: Was gehört zum Leben eines professionellen Fußballers abseits des Platzes?

TIM GRUPP: Aus meiner Sicht die richtige Ernährung, ausreichend Schlaf und natürlich auch Ablenkung in Form von Freunde treffen, was mit der Freundin unternehmen usw., um auch mal vom Training bzw. nach einem schlechteren Spiel abschalten zu können und Kraft zu tanken.

FERDINAND HERFELDT: Inwieweit ist es möglich, sich neben dem Fußball mit anderen Themen, einer beruflichen Ausbildung oder einem Studium zu beschäftigen?

TIM GRUPP: Es ist definitiv möglich, sich neben dem Fußball mit anderen Themen zu beschäftigen und auch sehr wichtig aus meiner Sicht. Ich persönlich interessiere mich neben anderen Sportarten wie z.B. Tennis, Handball oder American Football auch für politische und wirtschaftliche Themen. Man sollte sich immer weiterbilden, weil man davon später, sprich nach der Karriere, dann davon auch profitieren kann. Um zum zweiten Teil der Frage zurückzukommen, „berufliche Ausbildung oder Studium“, bin ich der Ansicht, dass eine berufliche Ausbildung bzw. ein Präsenzstudium neben dem Profifußball nicht möglich ist, aufgrund der Trainingszeiten und der sich dadurch überschneidenden Arbeitszeiten bzw. Vorlesungszeiten. Ein Fernstudium ist aber definitiv im Bereich des Möglichen, weil man neben den Trainingseinheiten an sich ausreichend Zeit hat und man sich bei einem Fernstudium die Zeit einteilen kann, so wie es am Besten passt, da man keine Anwesenheitspflicht hat. Ich selbst verfolge seit April 2016 ein Fernstudium im Bereich Wirtschaftswissenschaften in Hagen und bereue es nicht den Schritt gegangen zu sein, ganz im Gegenteil bin ich der Meinung, dass ein zweites Standbein im schnelllebigen Fußballgeschäft sehr wichtig ist.

FERDINAND HERFELDT: Du selber studierst, wie du eben gesagt hast, neben deinem Beruf als Fußballer Wirtschaftswissenschaften an der Fernuniversität in Hagen. Was sind die Herausforderungen bei einem Studium neben dem Fußball?

TIM GRUPP: Die größten Herausforderungen neben der Bewältigung der Tiefe des Stoffes sind die Eigenmotivation übers Semester hin hochhalten zu können, um so gut vorbereitet die Prüfungen abzulegen. Darüber hinaus braucht man für ein Fernstudium ein gewisses Organisationstalent und natürlich Durchhaltevermögen und einen langen Atem.

FERDINAND HERFELDT: Machst du dir häufig Gedanken darüber, wie die Zeit nach dem Fußball wohl aussehen könnte oder hast du schon einen konkreten Plan?

TIM GRUPP: Darüber mache ich mir in der Tat viele Gedanken, da die Zeit als Fußballer sehr begrenzt ist und man diesen Beruf nicht bis ins hohe Alter ausüben kann. Mein Plan sieht so aus, dass ich mein Fernstudium im Sommer 2021 erfolgreich absolviert haben möchte, um etwas in der Hinterhand zu haben. Denn sollte es irgendwann mit dem Fußball vorbei sein, ist es mein Ziel einen nahtlosen Übergang in die „normale“ Arbeitswelt zu schaffen.

FERDINAND HERFELDT: Siehst du in deiner Erfahrung als Fußballer Vorteile für dein späteres berufliches Leben?

TIM GRUPP: Ich sehe in meiner Erfahrung als Fußballer viele Vorteile in Bezug auf mein späteres beruflichen Leben, denn sowohl im Fußball, als auch im beruflichen Leben ist es wichtig, an sich selbst zu glauben, ein gutes Durchhaltevermögen zu haben, ein Teamplayer zu sein, und auch den Ehrgeiz zu haben an seine Grenzen zu gehen und darüber hinaus.

FERDINAND HERFELDT: Die Karriere eines Fußballers kann aus verschiedenen Gründen frühzeitig enden. Ich spreche aus Erfahrung. Bevor meine Karriere im Profifußball erst richtig losgehen konnte, musste ich sie schon verletzungsbedingt beenden. Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang ein finanzielles Fundament?

TIM GRUPP: Ein finanzielles Fundament ist aus meiner Sicht mindestens genauso wichtig wie ein zweites Standbein, z.B. in Form eines Fernstudiums, da die Laufbahn von heute auf morgen vorbei sein kann und man dafür gewappnet und vorbereitet sein muss. Denn im Fall der Fälle sollte man bestens abgesichert sein, um entweder im Optimalfall ausgesorgt zu haben oder den Übergang in die „normale“ Arbeitswelt zügig zu schaffen.

FERDINAND HERFELDT: Was sollte ein Fußballspieler in Bezug auf seinen Vermögensaufbau beachten?

TIM GRUPP: Da man als Fußballer nur eine begrenzte Zeit Geld verdient, ist es wichtig schon in der Anfangsphase der Laufbahn Geld auf die Seite zu legen, um später davon eine lange Zeit bzw. im besten Fall sein ganzes Leben davon zu zehren. Das heißt aber aus meiner Sicht nicht das Geld aufs Sparbuch oder sonst wohin legen, da man dort momentan und in naher Zukunft angesichts des Niedrigzinses keine vernünftige Rendite erzielen kann. Man sollte stattdessen aus meiner Sicht sein Geld in Aktien investieren und das auf lange Sicht gesehen. Denn die Vergangenheit hat gezeigt, dass der Markt ständig wächst und nach einem Tief ein noch höheres Hoch kommt. Man muss also geduldig sein, Vertrauen in den Markt und in seinen Ansprechpartner, den ich mit dir gefunden habe, besitzen, um vom Markt langfristig profitieren zu können und sein Geld vermehren zu können.

FERDINAND HERFELDT: Danke dir Tim für deine Zeit und deine Einschätzung zu den Themen „Nachsportliche Karriere und Finanzen“.

TIM GRUPP: Sehr gerne, Ferdi.